26.03.2025, Kultur & Freizeit

Mehr Leben in der Neuen Sozialen Mitte

Der Gemeinderat hat die Verwaltung beauftragt, eine Belebung der Neuen Sozialen Mitte zu prüfen.
Foto: Stadt Walldorf

Stadtverwaltung prüft auf Antrag von FDP und Grünen die Möglichkeiten

„Wasser und Steine, nur wenig schattenspendende Bäume, keine Beschattungsmöglichkeiten und vor allem: keine Menschen, keine Kinder und auch keine Großeltern, die mit ihren Enkeln unterwegs waren.“ So schildert Dr. Günter Willinger (FDP) in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats die „Neue Soziale Mitte“ an einem sonnigen Sonntagnachmittag mit hohen Temperaturen im Juli vergangenen Jahres. Maximilian Himberger (Bündnis 90/Die Grünen) spricht von einer „verschenkten Fläche“, der es an Leben fehle. Durch den hohen Grad der Versiegelung sei im Sommer der Aufenthalt dort „unerträglich“. Ein Zustand, den die beiden Fraktionen mit ihrem gemeinsamen Antrag zur Aufwertung und für ein Konzept zur Belebung der Neuen Sozialen Mitte ändern wollen. Dem Beschlussvorschlag der Verwaltung, sie mit der Prüfung der Antragspunkte zu beauftragen, kann der Gemeinderat einstimmig folgen.

Der FDP gehe es „um maßvolle, punktuelle Entsiegelung da, wo sie sinnvoll und machbar ist, um Beschattungsmöglichkeiten, um die Aufenthaltsqualität für alle Generationen zu erhöhen“, so Willinger. Einer der Vorschläge: „Warum nicht auch mal wie in unseren Nachbargemeinden einen zusätzlichen Wochenmarkt nachmittags oder abends?“ Allerdings wolle man „keinen Partyhotspot" mit Belästigungen für die unmittelbare Umgebung. „Kleine Feste, Flohmärkte, Foodtrucks“ kann sich Himberger zur Belebung des Bereichs vorstellen, auch „urban gardening“, also eine gärtnerische Nutzung, vor allem aber gehe es um zusätzliche Beschattung und Sitzgelegenheiten. „Wir sehen das als Prozess. Das muss nicht morgen fertig sein“, sagt Himberger. Dabei müssten wichtige Funktionen wie die Wegeführung oder die Rettungszufahrten selbstverständlich erhalten bleiben. Im Beschluss werden der Verwaltung folgende Punkte zur Prüfung mitgegeben: Entsiegelung und Begrünung der Neuen Sozialen Mitte, die Integration des Schulgartens der Schillerschule (der sich derzeit dort befindet, wo das neue Pflegeheim gebaut werden wird), ein Konzept zur generationenübergreifenden Nutzung des Bereichs sowie eine deutliche Abgrenzung zwischen dem Schulhof der Schillerschule und dem öffentlich nutzbaren Bereich.

Uwe Lindner (CDU) schildert die Neue Soziale Mitte konträr zu seinen Vorrednern: Dort gebe es großartige Aufenthaltsflächen für Kinder, die nach seinem Eindruck „mit Freude“ und vor allem „gefahrenfrei“ genutzt werden. Seine Befürchtung: Mit einer Umgestaltung könnten diese Spielräume eingegrenzt werden. Eine zusätzliche Beschattung könne die CDU aber ebenso mittragen wie beispielsweise die Idee, die sich aufheizenden Betonsitzflächen mit Holz zu verkleiden oder Sitzbänke am Wasserspielplatz einzurichten. Wichtig aus Lindners Sicht: Die Leitungen der einzelnen Einrichtungen müssten am Prozess beteiligt werden. Eine deutlichere Abgrenzung des Schulhofs habe die CDU schon vor zwei Jahren gefordert, eine Integration des Schulgartens sei dagegen seitens der Schule nicht gewünscht.

Dem Prüfauftrag könne die SPD zustimmen, sagt Lorenz Kachler. Allerdings wünsche man sich ein Gesamtkonzept für die Neue Soziale Mitte, das etwa auch die energetische Sanierung älterer Gebäude wie des Weisbrod-Baus berücksichtige. Generationenübergreifende Angebote habe es in diesem Bereich anfangs gegeben, „aber irgendwann hat die Ganztagsschule die Räume gebraucht“. Kachlers Fraktionskollege Manfred Zuber fügt an, man müsse schauen, „dass der Charakter des Platzes erhalten bleibt“. Schließlich sei die Neue Soziale Mitte aus einem Wettbewerb entstanden, die Freiraumplaner hätten sich dabei etwas gedacht. Hier wendet Maximilian Himberger kritisch ein, der Klimawandel sei „nicht mit berücksichtigt worden“ und der „riesengroße Grad der Versiegelung“ sei „heute nicht mehr tragbar“. Mihriban Gönenç (Zusammen für Walldorf) plädiert dafür, Maßnahmen in einem „angemessenen Rahmen“ umzusetzen, „sodass der Charakter erhalten bleibt“. Es gehe um einen „Balanceakt zwischen einer Belebung und der Rücksichtnahme auf die Nachbarschaft“. Das erfordere eine „sorgfältige Planung“.